Psoriasisarthritis

Die Psoriasisarthritis (oder Psoriasisarthropathie) ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die im Zusammenhang mit Psoriasis (Schuppenflechte) auftritt. Psoriasis ist eine Autoimmunkrankheit, bei der das Immunsystem (körpereigene Abwehr) gestört ist und sich gegen körpereigene Zellen und Gewebe richtet. Sie betrifft hauptsächlich die Haut und geht mit typischen Hautveränderungen an den Innenseiten der Ellenbogen und Kniegelenke den Nägeln und der Kopfhaut einher.

Bei der Psoriasisarthritis greifen die Immunzellen vor allem die Gelenke an und verursachen Entzündungen und Schädigungen. Zu den am häufigsten betroffenen Gelenken zählen jene der Beine, der Finger und Zehen sowie des Rückens und des Beckens.

Ursachen

Die genaue Ursache der Krankheit ist nicht bekannt. Bei 40% der Patientinnen und Patienten liegt eine genetische Veranlagung vor: andere Familienmitglied leiden ebenfalls gehäuft an Psoriasis oder Arthritis. Auch Immun- und Umweltfaktoren wurden als Ursache in Betracht gezogen, etwa eine Streptokokken-Infektion (eine bestimmte Art von Bakterien) als Auslöser einer übermässigen Immunantwort. Diese Faktoren führen zur Vermehrung von hornbildenden Zelle in der Haut und zu Entzündungsschüben in den Gelenken.

Psoriasis betrifft 2 bis 4% der Bevölkerung. Die Häufigkeit der Psoriasisarthritis ist nicht genau bekannt: Schätzungen zufolge leiden 0.1 bis 1% der Gesamtbevölkerung daran, rund 15% der Personen mit Psoriasis entwickeln eine Arthritis. Klinisch manifestiert sich die Krankheit meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, wobei Frauen ebenso wie Männer betroffen sein können.

Es existiert auch eine juvenile Form der Psoriasisarthritis, deren Häufigkeit auf 3 bis 30 Fälle pro 100‘000 Kinder geschätzt wird, mit einer Häufigkeitsspitze zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr. Sie ist bisweilen mit einer Augenschädigung assoziiert.

Symptome

In den meisten Fällen treten die Hautveränderungen vor der Gelenkschädigung auf, auch wenn es vorkommen kann, dass beide gleichzeitig erscheinen. Bei etwa 10% der Betroffenen gehen die Gelenkschädigung den Hautveränderungen voran.
Die Krankheit beginnt oftmals schleichend. Wie bei der rheumatoiden Arthritis sind zunächst nur einige Gelenke betroffen, häufig seitenungleich. Anschliessend entwickelt sich die Krankheit in vielen Fällen zu einer Entzündung der Fingerend- und Zehenendgelenke.

Bei der Psoriasisarthritis kommt es nicht nur in den Gelenken zu Entzündungsschüben, sondern auch an den Sehnen und Sehnenscheiden sowie den Schleimbeuteln. Die Gelenke sind geschwollen und die sie bedeckende Haut ist rötlich verfärbt. Morgensteife kann zwar vorkommen, sie ist jedoch weniger ausgeprägt als bei der rheumatoiden Arthritis.

Durch die Gelenkentzündung haben die Finger und Zehen ein «wurstartiges» Aussehen. Dieses typische Erscheinungsbild kann allerdings auch fehlen. Die Entzündung kann die Wirbelsäule und das Becken befallen, wodurch es zu nächtlichen Rücken- und Nackenschmerzen und zu Morgensteife kommt.

Die Psoriasisarthritis kann mit Episoden von Müdigkeit, Blutarmut und Stimmungsschwankungen einhergehen. Die Lebensqualität der Betroffenen ist dadurch oftmals verringert.

Diagnose

Vor jeglicher Behandlung muss eine korrekte Diagnose gestellt werden. Das Problem bei der Psoriasisarthritis ist, dass sie sowohl die Haut als auch die Gelenke befällt. Darum sind an der Diagnose sowohl ein Hautarzt, als auch ein Rheumatologe beteiligt: Eine gute Zusammenarbeit ist von entscheidender Bedeutung.

Zur Diagnose der Psoriasisarthritis werden zunächst die betroffenen Gelenke geröntgt. Die Veränderungen können anfangs sehr diskret sein. Im fortgeschrittenen Stadium unterscheiden sich die Gelenkveränderungen deutlich von jenen, die bei anderen rheumatischen Erkrankungen zu beobachten sind, wodurch eine präzise Diagnose möglich ist. Der Einsatz moderner bildgebender Verfahren (etwa der Computertomografie, Sonografie und Magnetresonanztomografie) kann sich als zielführend erweisen, um das Ausmass der Läsionen abzuschätzen.

Therapie

Die Psoriasisarthritis ist zurzeit nicht heilbar. Mithilfe der derzeit verfügbaren Therapien können die Gelenkschäden allerdings eingegrenzt und ihrem Fortschreiten verhindert  werden.

Im Falle einer leichten Psoriasisarthritis verschreibt die Ärztin bzw. der Arzt im Allgemeinen ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR), um die Schmerzen zu lindern und die Entzündung zu bekämpfen.

Im fortgeschrittenen Stadium wird der Einsatz von Basistherapeutika unumgänglich. Im Gegensatz zu den NSAR sind diese Wirkstoffe in der Lage, die Immunprozesse, welche die Läsionen verursachen, direkt zu beeinflussen und so die Entwicklung der Krankheit zu bremsen. Sie führen aber auch zu einer Abschwächung der körpereigenen Abwehr, weshalb bei leichten Formen der Psoriasisarthritis NSAR vorgezogen werden. Mit den Basistherapeutika werden gute Ergebnisse im Hinblick auf die Hände, Ellbogen, Knie und Füsse erzielt, an der Wirbelsäule ist die Wirkung dagegen nicht zufriedenstellend.

In schweren Fällen sind neue Wirkstoffe, die Biopharmazeutika oder «Biologicals» genannt werden, eine Therapieoption. Dabei handelt es sich um äusserst komplexe Proteine, die mithilfe innovativer Methoden hergestellt werden und gezielt die Immunprozesse beeinflussen.

Darüber hinaus ist bisweilen der Einsatz von Glukokortikoiden indiziert. Diese starken Entzündungshemmer können direkt in die befallenen Gelenke injiziert werden. Zur Langzeitbehandlung werden Glukokortikoide oral verabreicht, allerdings ist aufgrund der zahlreichen unerwünschten Wirkungen Vorsicht geboten.

Mit Psoriasisarthritis leben

Die Analyse der Situation der von der Krankheit Betroffenen und ihrer Erfahrungen ist für die Behandlung essenziell.

Durch Sport und Bewegung kann der Versteifung der Gelenke vorgebeugt werden, auch die Muskeln bleiben dadurch erhalten. Wärme-, Kälte- oder Ultraschallbehandlungen tragen zur Entspannung und Entlastung der Strukturen um das Gelenk bei. Das gilt auch für die gezielte Physiotherapie.

Einen hohen Stellenwert hat auch eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung. Für die in fettem Fisch wie Lachs, Thunfisch und Sardine enthaltenen Omega-3-Fettsäuren wurde eine positive Wirkung auf die Gelenke gezeigt. Dagegen scheint Alkohol die Schmerzen und die Symptome zu verstärken!

In schweren Fällen, die nicht auf Arzneistoffe ansprechen, ist möglicherweise ein chirurgischer Eingriff nötig. Dabei wird die entzündete Gelenkkapsel entfernt oder eine Prothese eingesetzt. In Extremfällen wird die Wirbelsäule auf der Höhe der stark betroffenen Wirbel blockiert.