Prävention und Früherkennung

Die Zahlen aus verschiedenen Quellen machen betroffen: Rund jede sechste Person in der Schweiz leidet an einer psychischen Störung. Die Wahrscheinlichkeit, mindestens einmal im Leben psychisch zu erkranken, liegt bei rund 50 %. Die Zahl junger IV-Bezügerinnen und -bezüger mit psychischen Krankheiten steigt jährlich. Prävention ist also ein Gebot der Stunde. Der Grundsatz heisst umfassend informieren und die Tabus rund um die psychischen Erkrankungen brechen.

Hinter solchen Zahlen stecken Schicksale. Und oft auch jahrzehntelanges Leiden mit schwerwiegender Beeinträchtigung der Lebensqualität. Was dabei besonders auffällt: Laut einer Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums aus dem Jahr 2012 lassen nur gerade fünf Prozent der Betroffenen ihre psychischen Beschwerden behandeln. – Vorsorge und Früherkennung sind in vielen Bereichen der Medizin zur Selbstverständlichkeit geworden; bei den psychischen Erkrankungen herrscht immer noch Aufholbedarf.

Die Prävention richtet sich an gesunde Menschen, mit dem Ziel, Risikofaktoren zu erkennen, zu verringern und somit der Entstehung einer psychischen Erkrankung vorzubeugen. Die Früherkennung richtet sich an Personen, die sich in einem frühen Stadium der Krankheit befinden. Ziel ist es, diesen Menschen – und ihrem Umfeld – möglichst früh und professionell beizustehen. Erfahrungen zeigen, dass eine frühzeitige Behandlung den Heilungsverlauf positiv beeinflusst.

Soweit die Theorie. In der Praxis schreitet die Sensibilisierung für die Psychische Erkrankung als eigentliche «Volkskrankheit» nur schrittweise voran. Jede und jeder prominente Betroffene mit offen kommunizierter Depression oder Bekanntgabe eines «Burnouts» trägt zur Enttabuisierung bei und hilft mit, der Stigmatisierung und sozialen Ausgrenzung von psychischen Erkrankungen ein Ende zu setzen. Information ist hier gleichzeitig Prävention, es wird darüber gesprochen und geschrieben und Risikofaktoren werden angesprochen. 

Für die Früherkennung von psychischen Erkrankungen spielen der Hausarzt und die Hausärztin nach wie vor eine grosse Rolle, indem sie Betroffene rechtzeitig an spezialisierte Fachleute weiterleiten. Die Kantone verfügen hier über ein differenziertes Angebot: Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienste, Ambulatorien, Tageskliniken und spezialisierte Kliniken für längere Aufenthalte sind Stichworte dazu. Auch hier tragen die Enttabuisierung und die gesellschaftliche Akzeptanz entscheidend dazu bei, dass Betroffene zu ihrer Krankheit stehen können, rasch professionelle Hilfe suchen und die Früherkennung zur Selbstverständlichkeit wird.