Menschen im Gespräch

Die Spezialapotheke MediService wurde von Menschen gegründet, die sich im visionären Sinn mit dem Gesundheitswesen und vor allem mit den Bedürfnissen und Wünschen der Patientinnen und Patienten auseinandergesetzt haben. Heute, nach zwanzig Jahren, ist aus dem Start-up mit Pioniercharakter eine Firma gewachsen, die mit 100 Mitarbeitenden Dienstleistungen für rund 100'000 Kundinnen und Kunden mit meist chronischen Krankheiten erbringt. Diese erfreuliche Entwicklung im Bereich der Dauer- und Spezialmedikation sowie bei der Therapieunterstützung/Therapiebegleitung war nur möglich, weil wir uns in all den Jahren auf starke Partnerschaften, eine gute Vernetzung und in erster Linie auf zufriedene, treue Kundinnen und Kunden verlassen konnten. MediService wurde in eine Zeit des Umbruchs in unserer Branche «hineingeboren». Wir sind uns bewusst, dass diese Prozesse noch längst nicht abgeschlossen sind. Unsere Devise heisst deshalb, wach und flexibel bleiben, Veränderungen erkennen, die richtigen Schlüsse ziehen und den Fokus weiterhin konsequent auf unsere Kundinnen und Kunden richten.

Nachfolgend stehen wiederum Menschen im Mittelpunkt. Wir haben uns mit Persönlichkeiten unterhalten, die sich beruflich im Gesundheitswesen engagieren. Zudem berichtet eine MS-Patientin aus ihrem Alltag und ein Apotheker aus dem Team von MediService gibt Einblick in seine Tätigkeit.

Dr. Daniela Zimmermann-Fehr, Stv. Leiterin Leistungseinkauf Helsana
Dr. Daniela Zimmermann-Fehr hat Veterinärmedizin studiert und verfügt über einen MBA und Berufserfahrung in den Bereichen Pharma und Consulting. Seit 2008 arbeitet sie bei der Helsana Gruppe.

Die Helsana-Gruppe gehört zu den führenden Schweizer Kranken- und Unfallversicherern. Helsana schützt 1,9 Millionen Menschen gegen die finanziellen Folgen von Krankheit, Unfall, Mutterschaft und Pflegebedürftigkeit im Alter. Die Krankenversicherung beschäftigt über 3000 Mitarbeitende und generiert ein Prämienvolumen von über sechs Milliarden Franken. Helsana setzt sich für ein wettbewerbliches, qualitativ hochstehendes und langfristig bezahlbares Gesundheitswesen ein.


Was müssen wir uns unter dem Bereich «Leistungseinkauf» konkret vorstellen?
In erster Linie geht es um Verhandlungen mit allen im Gesundheitswesen agierenden Leistungserbringern, zum Beispiel Ärzten, Spitälern, Apotheken, Labors oder auch Pharmafirmen. Wir versuchen, auch im stark regulierten Markt attraktive Leistungen für unsere Kunden zu verhandeln, seien es Kostenvorteile oder qualitativ hochstehende, medizinisch sinnvolle Dienstleistungen.


Mit jährlicher Regelmässigkeit geht ein Aufschrei durch die Bevölkerung, wenn die Krankenkassen Prämienerhöhungen ankündigen. – Wie gehen Sie damit um?
Der Rechnungssteller ist halt immer der Schuldige. – Nein, die Sache ist natürlich etwas komplexer. Die Prämienerhöhungen sind der Spiegel der stetig ansteigenden Gesundheitskosten; Stichworte dazu sind der demografische Wandel und der technologische und medizinische Fortschritt. Bedeutende Gründe für die Kostensteigerungen sind zudem das Mengenwachstum und die Ausweitung des Leistungskatalogs, gepaart mit der steigenden Anspruchshaltung der Versicherten. Was aber gerne vergessen wird: Als Krankenversicherung sind wir diejenigen, die sich an vorderster Front für tiefere Gesundheitskosten engagieren.


Welche Ansätze verfolgen Sie, um diese Kosten zu beeinflussen?
Wie eingangs erwähnt, ist der Markt stark reguliert. So sind zahlreiche Leistungen vom Gesetzgeber in der Grundversicherung klar definiert und die Preise teilweise vorgegeben. Trotzdem gibt es immer wieder Verhandlungsspielraum, wo wir versuchen, Kosteneinsparungen ohne Qualitäts- und Leistungseinbussen für unsere Versicherten zu realisieren.

Ein konkretes Beispiel: Kunden mit Diabetes benötigen Blutzucker-Messstreifen. Hier bieten wir den Versicherten preislich attraktive Einkaufsalternativen an. Über das ganze Jahr gesehen, bringt eine solche Massnahme Einsparungen in Millionenhöhe.


Die Versandapotheken setzen sich für Kostensenkungen im Gesundheitswesen ein. Welche Bedeutung werden sie in Zukunft haben?
Wir begrüssen diese Modelle, weil sie direkte Kosteneinsparungen beim Medikamentenbezug bringen. Auch wissen wir, dass viele unserer Versicherten den diskreten und sicheren Versand mit Verrechnung direkt an die Helsana sehr schätzen. Neben den Preisvorteilen gibt es aber einen weiteren Aspekt, der in Zukunft wohl noch mehr Gewicht bekommt: Es zeigt sich nämlich, dass Kundinnen und Kunden einer Versandapotheke meistens alle ihre Medikamente dort bestellen. Die Versandapotheke hat somit einen guten Überblick über das Medikamenten-Portfolio. Problematische Kombinationen oder potenziell inadäquate Medikationen werden so erkannt und können mit den behandelnden Ärzten besprochen und damit vermieden werden. Diese Transparenz bei der Medikation ist für alle Beteiligten nur von Vorteil.


Der Einsatz von Nachahmerprodukten (Generika, Biosimilars) oder gezielte Arzneimitteltherapien mit Managed-Care-Modellen sind Möglichkeiten mit Sparpotenzial. Welche Bedeutung haben sie für die Helsana?
Generika und Biosimilars sind in vielen Fällen eine wirtschaftlich und medizinisch sinnvolle Alternative. Problematisch ist, dass es Fehlanreize im Vergütungssystem hat, welche verhindern, dass Ärzte oder Apotheker die kostengünstigeren Produkte einsetzen. Bei den Managed-Care-Modellen (zum Beispiel Hausarztmodell oder Telemedizin) zeigt unsere Erfahrung, dass die über einen Arzt als erste Anlaufstelle koordinierte Patientenbetreuung viele Vorteile bringt. So sind zum Beispiel bei Diabetes- oder Herzpatienten, welche über Managed Care betreut werden, Spitalaufenthalte im Folgejahr weniger wahrscheinlich. Obwohl diese Modelle oft als «Billigschiene » abgetan werden, sind sie für Versicherte eine ausgezeichnete Lösung mit qualitativen Vorteilen.


Die Gesundheitskosten gar nicht erst entstehen zu lassen, ist ein anderer Ansatz. Wie engagiert sich Helsana im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention?
Prävention und Gesundheitsförderung sind primär Aufgaben des Bundes. Wir engagieren uns aber stark im Bereich der Gesundheitskompetenz. Hier arbeiten wir oft mit Partnern zusammen und lancieren gemeinsame Aktionen und Kampagnen, z. B. in den Bereichen Krebs, Impfen, Bewegung oder Rauchstopp.


Wie verhält sich die Helsana, wenn Innovationen bei Therapien und Behandlungen auftauchen?
Wir beobachten den Markt genau. Unser internes Innovationsgremium führt eine eigene «Innovationsliste », die sehr dynamisch immer wieder angepasst wird. Ziel ist es, den Versicherten im Rahmen unserer Zusatzversicherung rasch bezahlten Zugang zu neuen Leistungen zu verschaffen. Oft werden solche Angebote dann später auch ganz oder teilweise in die Grundversicherung integriert.

Dr. Marc Cikes, Geschäftsführer Réseau Delta Vaud
Dr. Marc Cikes leitet das Ärztenetzwerk Réseau Delta Vaud. Er ist ausgebildeter Mediziner und verfügt über ein Zweitstudium als Orchesterdirigent. Marc Cikes hat an der Uni Lausanne Gesundheitswesen, Management und Ökonomie studiert.

Das Ärztenetzwerk «Réseau Delta» ist in den Kantonen Genf, Waadt, Wallis und Freiburg tätig. 589 Medizinerinnen und Mediziner kümmern sich in diesen Regionen um mehr als 250’000 Versicherte. Im Bereich der Primärprävention betreibt das Netzwerk mit Santéromande einen interaktiven Health-Check-Monitor. Weitere Kooperationen und Projekte sind in Arbeit.


Wo sehen Sie die zentralen Vorteile solcher Ärztenetzwerke und Kooperationen?
Die Patientin oder der Patient bekommt bei einem Netzwerk wie Réseau Delta eine höhere Versorgungsqualität. Der verantwortliche Hausarzt kennt seine Patienten am besten, er kann bei Bedarf ganz gezielt Spezialisten anfordern und so eine aktive Steuerungsaufgabe innerhalb der Betreuungs- und Behandlungskette übernehmen. Wir bezeichnen dieses System der hausarztzentrierten Betreuung als «Gatekeeping». Die Patientinnen und Patienten profitieren von einem gesteuerten und hoch professionalisierten Prozess.


Wie profitieren Ärztinnen und Ärzte im Netzwerk Réseau Delta?
Ich denke, der Hausarzt steht bei uns wieder ganz klar im Zentrum der Behandlungsprozesse. In seiner Funktion als erster Ansprechpartner kann er die Patientin oder den Patienten optimal begleiten und wenn nötig ganz gezielt weitere Schritte einleiten. Wichtig sind dabei auch unsere Qualitätszirkel, wo sich unsere Ärztinnen und Ärzte regelmässig treffen und gemeinsam Fälle besprechen. Ein Hausarzt ist bei diesem Modell nie allein, er kann sich bei Unsicherheiten oder Fragen immer mit Kolleginnen und Kollegen austauschen. Diese «Fachkompetenz im Verbund» kommt natürlich auch ganz direkt der Patientin oder dem Patienten zugute.


Réseau Delta ist auch in der Aufklärung und Prävention tätig. Können Sie uns ein aktuelles Projekt beschreiben?
Wir entwickeln in diesem Bereich immer wieder Qualitätsprogramme für unsere Versicherten. Ein Beispiel ist die Sturzprävention für ältere Menschen. In speziellen Rhythmik-Kursen lernen sie, sich spielerisch mit Musik zu bewegen und die Koordination zu stärken. Ein weiteres Beispiel sind gezielte Programme, welche helfen, die Lebensqualität von Asthmatikern und an COPD erkrankten Menschen zu verbessern. Und mit Evivo bieten wir Kurse für Menschen mit chronischen Erkrankungen an, damit diese ihr Alltagsleben besser bewältigen können.


Kostensenkungen im Gesundheitswesen sind ein zentrales Thema. – Was unternimmt Réseau Delta in diesem Bereich?
Das geschilderte «Gatekeeping»-System mit der aktiven Rolle des Hausarztes ist ein effizienter Steuerungsprozess im Gesundheitssystem. Wir haben damit die Behandlungsprozesse besser im Griff, was sich natürlich auch ganz direkt auf die Gesundheitskosten auswirkt. Unsere Erfahrungen zeigen, dass wir damit 12–18 % günstiger fahren als bei einem konventionellen und nicht gesteuerten Ablauf des Behandlungsprozesses.


Und wie kann MediService Ihr Netzwerk konkret unterstützen?
Wir haben gesehen, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen die «Convenience» mit MediService sehr schätzen. Das heisst, sie lassen sich ihre Medikamente von MediService bequem nach Hause liefern. Unsere Hausärzte kennen diese Dienstleistung und sie bieten das Home-Care-Team von MediService bei Bedarf auch für die Therapieunterstützung oder Therapiebegleitung auf. Die Kooperation mit MediService ist deshalb für unser Netzwerk wichtig.


Heute leidet die Mehrheit der über 80-Jährigen an chronischen Krankheiten und die Behandlung erfordert oft eine interdisziplinäre Zusammenarbeit vieler Beteiligter. Wie sehen Sie die künftige Entwicklung in diesem Bereich?
Auch hier sind die Gesundheitskosten ein zentrales Thema. Die demografischen Aspekte und der medizinische Fortschritt sind eine Tatsache. Damit sich die Gesellschaft diese Entwicklung in Zukunft überhaupt noch «leisten» kann, wird sich unser Gesundheitswesen in nächster Zeit noch weiter und im umfassenden Sinn verändern müssen. Ich denke, wir werden wohl in naher Zukunft die vertikale Integration aller Beteiligten im Gesundheitswesen konsequent vorantreiben müssen.


Was meinen Sie damit genau?
Konkret heisst das: Spitäler, Spezialärzte, Labors, Apotheken, Pflegefachpersonal und Therapeuten müssen vom «Insel- und Gärtchendenken» wegkommen. Medizin im Team und Interprofessionalität zwischen allen Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitswesen sind aus meiner Sicht die zentralen Themen, die uns in den nächsten Jahren beschäftigen werden.

Ansätze sind vorhanden, in unserer Organisation pflegen wir bereits die Vernetzung und die vertikale Integration von Dienstleistern aus der Branche im Rahmen der heutigen Möglichkeiten.

Benjamin Sommer, Apotheker, Abteilungsleiter bei MediService AG
Benjamin Sommer hat Pharmazie studiert. Der Apotheker hat später ein Nachdiplomstudium als Dipl. Qualitätsmanager NDS HF abgeschlossen. Er ist 2003 bei MediService eingetreten und arbeitet heute als Abteilungsleiter pharmazeutische Kontrolle.

Über 100’000 Schweizerinnen und Schweizer haben bereits Medikamente bei der Spezialapotheke MediService bezogen. Basis für jede Kundenbestellung ist das ärztliche Rezept, welches im 4-Augen-Prinzip durch pharmazeutisch ausgebildete Personen überprüft wird. Tauchen Fragen auf, setzt sich MediService mit der betreffenden Ärztin oder dem Arzt in Verbindung. Auch der direkte Kundenkontakt ist gefragt, zum Beispiel wenn im Kontrollprozess Unklarheiten festgestellt werden. Es gilt hier schlicht und einfach der Grundsatz der Nullfehlertoleranz.


Warum sind pharmazeutische Abklärungen eigentlich notwendig?
Es ist erstaunlich, aber wahr: Rund die Hälfte der Rezepte wird von der Ärztin oder vom Arzt nach wie vor von Hand ausgestellt. Manchmal ist das Rezept nicht eindeutig lesbar. Es kann auch sein, dass Stärke oder Dosierung nicht genau angegeben sind, oder es fehlt die Unterschrift des Arztes. Wenn wir bei der Rezeptkontrolle sehen, dass die Dosierung stark wechselt, ist das auch ein Grund für Rückfragen. Gleichzeitig kontrollieren wir jedes Rezept auf seine Wechselwirkungen. Wenn wir sehen, dass unerwünschte Wirkungen entstehen könnten, halten wir ebenfalls Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt.


Kommt es auch zum direkten Kundenkontakt?
Ja, immer wieder. Zum Beispiel, wenn der Liefertermin auf einen Sonn- oder Feiertag fällt oder wenn es sich um eine spezielle Versandart handelt, Stichwort gekühlte Medikamente. In solchen Fällen nehmen wir Kontakt mit der Kundin oder dem Kunden auf und vereinbaren einen Liefertermin. Natürlich melden sich Kundinnen und Kunden immer wieder direkt bei uns. Häufig gestellte Fragen betreffen Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Unverträglichkeiten oder den Einsatz von Generika. Wir beraten die Kundinnen und Kunden gerne, denn wer gut informiert ist, wendet die Medikamente in der Regel auch richtig an.


MediService betreut Menschen mit zum Teil äusserst seltenen Krankheiten. Wie halten Sie sich über den hoch spezialisierten Medikamentenmarkt in diesem Bereich auf dem Laufenden?
Hier stehen wir in sehr engem Kontakt mit den Herstellern. Die Beraterinnen und Berater der Pharmafirmen kommen zum Beispiel vor der Markteinführung eines neuen Medikaments aktiv auf uns zu und schulen das Fachteam von MediService. Die Vernetzung ist gegenseitig, wir tauschen uns aus und haben ein gemeinsames Ziel: die optimale Medikation der Patientinnen und Patienten mit seltenen Krankheiten.


Gibt es auch Medikamente, die aufgrund ihrer Komplexität eine Instruktion direkt bei der Kundin oder beim Kunden vor Ort benötigen?
Das gibt es immer wieder. Dabei kommen unsere diplomierten Pflegefachpersonen im Bereich Home Care zum Einsatz. Auch hier besteht eine enge Zusammenarbeit mit den Pharmafirmen und Herstellern von medizinischen Hilfsmitteln. Patientinnen und Patienten lernen durch die Therapieunterstützung von MediService zum Beispiel, regelmässige Infusionstherapien zu Hause selber durchzuführen. Viele Ärztinnen und Ärzte kennen unsere Kompetenz in diesem Bereich und fordern die Home Care Dienstleistungen von MediService an.


Die hohen Kosten im Gesundheitswesen sind ein omnipräsentes Thema. Ihr persönlicher Tipp als Apotheker bei MediService?
Lacht: Hier habe auch ich kein Patentrezept, sonst stünde ich schon längst auf der Gehaltsliste des Gesundheitsministers.

Es sind nicht nur die Medikamente, welche die Kosten beeinflussen. Es gibt zahlreiche Kostentreiber im Gesundheitswesen. Vielleicht liegt ein Ansatz darin, dass wir als Patientinnen und Patienten nicht einfach automatisch alle vorhandenen Möglichkeiten im System beanspruchen, sondern nur das, was wirklich nötig und sinnvoll ist, und somit auch in diesem Bereich eine Selbstverantwortung übernehmen.


Was schätzen Sie besonders an Ihrem Job bei MediService?
Ich bin jetzt seit 14 Jahren dabei. Für eine so lange Zeit am gleichen Arbeitsplatz muss schon einiges stimmen. Ich denke hier vor allem an den abwechslungsreichen Job selber, das kollegiale Umfeld und die Flexibilität bei den Arbeitszeiten. Es ist die Summe vieler Details, die dazu beitragen, dass ich mich hier bei MediService sehr wohlfühle.

Dr. Christine Aeschlimann Guggisberg, Geschäftsführerin Bernische Krebsliga
Dr. pharm. Christine Aeschlimann Guggisberg leitet seit rund vier Jahren die Bernische Krebsliga. Die Pharmazeutin mit Executive MBA hat vorher viele Jahre im Klinik- und Gesundheitswesen gearbeitet und lebt mit ihrer Familie in der Stadt Bern.
Dr. pharm. Christine Aeschlimann Guggisberg leitet seit rund vier Jahren die Bernische Krebsliga. Die Pharmazeutin mit Executive MBA hat vorher viele Jahre im Klinik- und Gesundheitswesen gearbeitet.

Die Bernische Krebsliga (BKL) hilft krebsbetroffenen Menschen und ihren Angehörigen, sich mit den verschiedenen Aspekten der Krebserkrankung auseinanderzusetzen. Sie unterstützt die Krebsforschung und informiert umfassend zum Thema. Die BKL ist aktiv in der Prävention tätig und finanziert sich als politisch und konfessionell neutraler Verein und gemeinnützige Institution mehrheitlich aus privaten Mitteln.


Das Angebot der BKL ist mit diesem kurzen Vorspann längst nicht vollständig aufgelistet. Was sind die wichtigsten Aufgaben der Bernischen Krebsliga?
Ganz eindeutig die Begleitung und Unterstützung von Betroffenen und ihren Angehörigen. Wir machen keine medizinischen Beratungen, sondern helfen den Menschen bei ihren Sorgen und Nöten. Ein Team mit fünf speziell ausgebildeten Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeitern und einer Pflegefachfrau kümmert sich um die Ratsuchenden.


Was sind die zentralen Themen?
Oft dreht es sich um finanzielle Fragen, es entsteht ein Engpass, zum Beispiel verursacht durch eine hohe Franchise. Oder es gibt Probleme am Arbeitsplatz, es droht vielleicht gar eine Entlassung. Hier leisten wir wenn nötig Überbrückungshilfe, bringen eine IV-Anmeldung in Gang oder koordinieren den Kontakt mit anderen Stellen und Institutionen. Leider ist es häufig so, dass die Leute spät zu uns kommen, wenn der Druck schon sehr gross ist. Ein anderes wichtiges Thema bei unseren Beratungen ist die Überforderung. Die Betroffenen machen sich Sorgen um ihre Kinder, ihren Ehepartner, um die Zukunft. Durch die Krebserkrankung gerät das eingespielte «Familiensystem» plötzlich ins Wanken. Oft sind es auch die Angehörigen, die mit der ganzen Situation überfordert sind. Und immer wieder kommt es vor, dass sich eine Überforderung erst nach überstandener Krankheit manifestiert. Man hat lange funktioniert und plötzlich reichen die Kräfte nicht mehr aus.


Welche Rolle spielt dabei die Vernetzung mit Forschung, Entwicklung und Medizin?
Als Beratungsstelle sind wir nach allen Seiten stark vernetzt. Die Förderung bei der Krebsforschung ist uns dabei ein zentrales Anliegen. Rund eine halbe Million Franken stecken wir jährlich in die Unterstützung von Spezialistinnen und Spezialisten, die in diesem Bereich forschen. Meistens sind es Nachwuchsleute mit kleineren, vielversprechenden Projekten, die dank unserer «Anschubfinanzierung» weiterentwickelt werden können.


Wie gelingt es der BKL, in diesem komplexen Umfeld unabhängig zu bleiben und die Klientinnen und Klienten neutral zu beraten?
Wir finanzieren uns fast ausschliesslich über Spendengelder, Legate und andere private Zuwendungen. So können wir ohne Interessenbindungen neutral und unabhängig beraten und zum Beispiel auch beim politischen Lobbying als völlig unabhängiges Kompetenzzentrum auftreten.


Heute taucht häufig der Begriff «Patienten- Empowerment» auf. Gemeint ist damit ein Prozess, um die Stellung des Patienten durch Information, Mitwirkung und Mitentscheidung zu verbessern. Hat sich hier aus Ihrer Sicht – vielleicht auch durch das Internet – tatsächlich etwas bewegt?
Sicher haben die Patientinnen und Patienten heute viel mehr Möglichkeiten, sich zu informieren. Das Problem liegt aus meiner Sicht aber an einem ganz anderen Ort. Nach wie vor neigen Ärztinnen und Ärzte dazu, das maximal mögliche medizinische Therapiespektrum auszuschöpfen. Ich meine damit konkret das Thema der Übertherapien. Ich hoffe, dass hier ein Umdenken stattfinden wird, dass den Patientinnen und Patienten Optionen aufgezeigt werden, ganz im Sinne des altbekannten Spruchs: «Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.»


Die BKL fördert und unterstützt Innovationsprojekte. Können Sie das an einem Beispiel konkret erklären?
Ja, ein Beispiel sind die Abendtrainings im Ruderklub Wohlensee. Jeweils am Dienstagabend wird hier ein Rudertraining für Betroffene angeboten. Ausgebildete Instruktoren begleiten die Teilnehmenden und sorgen dafür, dass alle nach ihren körperlichen Möglichkeiten mitmachen können. Sportliche Aktivität kann sich positiv auf den Heilungsprozess auswirken und die Reaktionen zeigen uns, dass dieses ungezwungene «Reha-Angebot» auch einfach viel Spass macht.


Welches sind für Ihre Organisation die grössten Herausforderungen für die kommenden Jahre?
Bis 2030 rechnen wir mit einer Zunahme von 60 Prozent an Krebsbetroffenen. Der Beratungsbedarf wird also massiv zunehmen und damit verbunden stellt sich natürlich die Frage der Finanzierung. Das macht mir schon Sorgen und ich denke, die Entwicklung der Gesundheitskosten wird zu einer ganz grossen Herausforderung für unsere Gesellschaft.


Im Gesundheitsbereich ist «der gläserne Patient» ein Thema, begleitet von Ängsten in Bezug auf den Datenschutz und gleichzeitig getragen von Hoffnungen, was die Optimierungsmöglichkeiten von Therapien betrifft. – Was halten Sie von dieser Entwicklung?
Ich meine, dass hier die Vorteile überwiegen. Speziell bei den Krebserkrankungen mit ihren vielen Facetten werden durch die Digitalisierung ganz gezielte und individuelle Therapien möglich. Der Entscheid über die Freigabe solcher Daten muss aber ganz klar bei der Patientin oder beim Patienten bleiben.

Brigitte Giovannone
Brigitte Giovannone, Jahrgang 1965, ist in Grenchen aufgewachsen. Seit 1988 arbeitet die gelernte Elektronikerin am Inselspital in Bern. Sie ist dort als Medizinelektronikerin u. a. für die Vernetzung von Dialysegeräten verantwortlich.

Bei Brigitte Giovannone wurde 2006 Multiple Sklerose (MS) diagnostiziert. Die quirlige Weltenbummlerin musste einiges in ihrem Leben umstellen. Und trotzdem blickt sie positiv in den Alltag, ganz nach dem Motto: «Das Vergangene ist ein Geschenk, das Hier und Heute bietet neue Möglichkeiten.» Ihre Medikamente bezieht sie bei MediService und seit einem Jahr kennt sie auch die Home Care Dienstleistungen der Spezialapotheke.


Frau Giovannone, wie hat sich die Erkrankung MS bei Ihnen manifestiert?
Auf meinem Arbeitsweg nach Bern spürte ich im Auto plötzlich Gefühlsstörungen, zum Beispiel ein heisses Gefühl, als ob die Sitzheizung eingeschaltet wäre. Ich dachte zuerst an eine Diskushernie, die neurologischen Untersuchungen ergaben dann rasch die Diagnose MS.


Wie haben Sie darauf reagiert?
Relativ gefasst. Ich wurde vom zuständigen Neurologen sehr kompetent begleitet, er hat auch meinen Ehemann miteinbezogen und uns umfassend über die Krankheit informiert. Nach einer Woche Spitalaufenthalt begannen wir sofort mit der medikamentösen Therapie.


Wie geht es Ihnen heute?
Lacht. Jetzt gerade geht es mir sehr gut, denn wir fahren übermorgen in die Ferien. Aber natürlich gibt es bei dieser Krankheit je nach Verlauf auch immer wieder traurige Momente, wenn man sieht, was nicht mehr geht und wo man loslassen muss. Ich war eine leidenschaftliche Tramperin und mit meinem Mann auf zahlreichen Reisen überall auf der Welt unterwegs. Das geht jetzt halt in dieser Form nicht mehr, ich benötige für längere Distanzen eine Beinschiene, und auch ein zusammenklappbarer Gehstock ist immer in der Handtasche mit dabei.


Haben sich neben den Einschränkungen auch neue Horizonte eröffnet?
Mein Ziel ist es, mich mit den heute vorhandenen Ressourcen körperlich und geistig fit zu halten. So bin ich zum Beispiel zu einer eigentlichen «Wasserratte» geworden und bin regelmässig im Aquafit anzutreffen. Auch in die Welt der Bücher tauche ich intensiv ein und treffe mich regelmässig mit Gleichgesinnten in einem Bücherclub. Und die Leidenschaft für ferne Länder ist natürlich immer noch da. Wir suchen und finden jetzt andere Formen, wie wir uns auf Reisen am besten fortbewegen können.


Seit mehreren Jahren spritzen Sie Ihre Medikamente. Nun nutzen Sie die Home Care Therapiebegleitung von MediService. Wie sind Sie darauf gekommen?
Durch den Arzt habe ich vom neuen Autoinjektor für meine Medikamente erfahren. Dazu wurde mir eine Anwendungsschulung durch MediService angeboten, und seitdem nutze ich die Home Care Dienstleistungen von MediService. Man hat mir das Gerät und die zugehörige App erklärt. So ist die Anwendung für mich einfacher und sicherer. Wenn man regelmässig Medikamente spritzen muss, wird dieser Anwendungskomfort sehr geschätzt.


MS wird auch als «Krankheit mit den tausend Gesichtern» bezeichnet. Was meinen Sie zu dieser Beschreibung?
Es ist schon so, ich sehe das auch immer wieder in meinem Umfeld. Jede und jeder Betroffene hat einen eigenen Krankheitsverlauf und auch der Umgang mit MS ist von Mensch zu Mensch verschieden. Ich persönlich versuche, die Krankheit zu akzeptieren, und freue mich an jedem Tag, wo es mir gut geht. Ich musste auch lernen, Hilfe anzunehmen und zum Beispiel im Berufsleben klar zu signalisieren, wann und wo ich Hilfe benötige.


Wie tanken Sie neue Kräfte?
Vor allem im familiären Umfeld und im Freundeskreis. Wir haben ein sehr offenes Haus und es ist immer etwas los. Wir wohnen und leben seit rund 10 Jahren etwas unkonventionell in unserem eigenen Erdhaus, das passt ganz gut zu uns beiden. Viel Kraft schöpfe ich auch aus der Partnerschaft, unsere Beziehung hat sich seit der Krankheit noch einmal intensiviert, es hat uns enger zusammengekittet. Ich bezeichne uns ganz einfach als «Super-Team».