Psychische Erkrankungen und die Forschung nach den Ursachen

Psychische Störungen und Krankheiten sind weit verbreitet. Untersuchungen in Europa gehen davon aus, dass sie rund einen Viertel aller Krankheiten ausmachen. Die Förderung der psychischen Gesundheit – verbunden mit entsprechenden Präventionsmassnahmen – ist deshalb ein zentrales Anliegen von Gesundheitsfachleuten in zahlreichen westlichen Ländern. 

Was bedeutet überhaupt psychische Gesundheit? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) umschreibt den Zustand der psychischen Gesundheit als dynamisches Gleichgewicht des psychischen Wohlbefindens «in dem der Einzelne seine intellektuellen und emotionalen Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen und produktiv und fruchtbar arbeiten kann, und imstande ist, seiner Gemeinschaft einen Beitrag zu leisten».

Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der «Seele in Balance», also einem Idealzustand, der uns leistungs- und gemeinschaftsfähig macht. Gleichzeitig zeigt diese Formulierung aber auch, dass die psychische Gesundheit auch ein fragiler Zustand sein kann. Viele von uns erfahren in ihrem Leben immer wieder das Wechselspiel zwischen psychisch gesund und psychisch belastet. Es ist oft eine Gratwanderung und der Schritt von der psychischen Belastung zur Erkrankung ist ein kleiner.

Unter dem Begriff «Psychische Erkrankung» sind verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst. Die WHO hat ein Definitionsraster für die einzelnen Diagnosegruppen entwickelt, welches auch in der Schweiz angewendet wird und von den Ärztinnen und Ärzten im Abrechnungsverfahren mit den Krankenkassen zur Anwendung kommt. Zu den am meisten diagnostizierten Krankheitsbildern gehört neben Störungen durch psychotrope Substanzen (Beispiel Alkoholmissbrauch) die Gruppe der affektiven Störungen, worunter auch Depressionen fallen.

Betroffene interessiert aber in erster Linie nicht die «Kategorisierung» ihrer Krankheit, sondern die Frage nach dem WARUM. Das Begreifen der Erkrankung ist für viele psychisch Erkrankte und ihr Umfeld im Genesungsprozess von grosser Bedeutung. Bei der Ursachenforschung weiss man, dass biologische Faktoren (z.B. genetische Veranlagung oder Stoffwechselveränderungen im Gehirn) und belastende Lebenserfahrungen (z.B. Tod eines wichtigen Menschen) eine Rolle spielen können. Auch Stress in all seinen Formen und Facetten wird heute als wichtiger Risikofaktor für psychische Erkrankungen erkannt.

Rund um die menschliche Psyche ist aber längst noch nicht alles geklärt. Insbesondere auch die Frage, warum wir Menschen so unterschiedlich auf belastende Situationen reagieren. Die Schweiz verfügt aber über ein hochprofessionelles Betreuungs- und Behandlungsnetz. Viele psychische Erkrankungen lassen sich auch medikamentös sehr gut behandeln und – was für die Betroffenen von grosser Bedeutung ist – die Stigmatisierung nimmt immer mehr ab, weil wir heute wissen: Es kann Jede und Jeden treffen.